Edersee 2014

Die Sauerland-Flyfisher auf Hechtexpedition am Edersee

Regelmäßige Exkursionen sind ein wichtiger Programmpunkt bei den Sauerland-Flyfishern.

Nachdem dieses Jahr bereits auf MÖN in Dänemark auf Meerforellen gefischt wurde, war für den Mai ein langes Wochenende am Edersee geplant. Für die meisten war dies gleichzeitig die Premiere, Hechte gezielt mit der Fliegenrute zu befischen. Als „Guide“ haben wir ja mit Stefan einen Ederseekenner in unseren Reihen, der früher in Nordhessen lebte und den See viele Jahre „konventionell“ mit „normalen“ Angelmethoden wie Köderfisch- und Spinnfischen beangelte. Er hatte auch den Vorschlag unterbreitet und die Organisation übernommen, den Edersee allerdings über 20 Jahre nicht mehr befischt.

Am Edersee stehen die Hechte wie überall im Mai noch im Flachwasser und sollten so nach unseren Vorstellungen für die Fliegenruten gut erreichbar sein. Der Einlauf vom See bei Herzhausen mit Tiefen bis zu 4m im alten Flussbett und den überfluteten Wiesen mit Gräben, Büschen, Bäumen schien uns optimal geeignet. Also hatten wir uns in Herzhausen eine Ferienwohnung angemietet.

Was wir im Februar nicht wissen konnten, war die Tatsache, dass die Verwalter der Talsperre den See bereits im Frühjahr auf über 4m unter den normalen Wasserstand (sonst Vollstau im Frühjahr) abgelassen hatten. Und das ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum der Talsperre! Die Regulierung der Weser und deren Schiffahrt ist leider nun mal einer der Hauptzwecke der Talsperre und das trockene Frühjahr tat ein übriges dazu. Im Vorfeld verfolgten wir daher täglich mit Sorge die Pegelmeldungen und Wetterberichte im Internet.

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Dann war es soweit und Christian, Sigi, Roland und Stefan machten sich nach dem kurzfristigen gesundheitlichen Ausfall zweier weiterer SFF-Mitmacher als Quartett auf den Weg. Zunächst war wie üblich die größte Hürde, aus unserem schönen Ruhrgebiet herauszukommen, Freitag nachmittags und Stau ohne Ende …

 

 

 

Nach der Ankunft bezogen wir die nette Wohnung in Herzhausen. Die übliche Auskunft lautet ja immer: „Letzte Woche wurde hier super gefangen“. So auch hier von unserem Vermieter. Da auch im nicht überstauten Flussbett große Fische gefangen worden seien (u. a. kapitale Barsche), machten wir am Abend dann gleich noch einen Fischgang direkt am Ort. Leider waren trotz guten Wetters kaum Fische an der Oberfläche zu sehen und außer einem einzigen Anfasser mit Schwall hinter dem Streamer war es still, allerdings auch ein Fischen in herrlicher landschaftlicher Kulisse am Rande des Nationalparks Kellerwald. Abends setzten wir uns dann noch entspannt zum Essen auf die Terasse eines Restaurants – normalerweise direkt am See, diesmal mit Wiesenblick.

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Hier über dieser Kante wollten wir eigentlich fischen … aber vier Meter fehlten!

 

Am nächsten Tag sollte nun der „Angriff“ erfolgen. Auch die Hausherrin erzählte uns nun noch von den tollen Fängen unserer Vorgänger. Ooops!! Wir fuhren die 4km entlang der Strasse am Südufer zum Liegeplatz der angemieteten Boote. Hier war der Staubeginn und das Wasser zwischen 0-4m tief. In der Mitte das alte Flussbett und rechts und links überstaute Wiesen, Wasser-Knöterich-Inseln am Rande. Das roch doch schon förmlich nach Hechten!

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Boote klarmachen

 

 

 

 

Bei schönem Wetter fischten wir ausdauernd den ganzen Tag. Wir probierten es über dem alten Flussbett, über den Kanten, im Flachwasser. Mit Schwimmschnur, mit Sinkschnur, im Oberflächenbereich, Mittelwasser, am Grund. Leider gab es nur einen einzigen Barsch als Nachläufer, der wohl mit dem Hechtstreamer spielen wollte. Etwas Ernüchterung stellte sich ein. Futterfisch war jedenfalls in Mengen vorhanden und dann kam uns beim Anlegen noch ein anderer Bootsangler mit dem Spruch „Letzte Woche wurde ja hier noch super gefangen …“.

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Roland vor dem Steilufer

 

 

 

Abends warfen wir erstmal den Grill an und kompensierten den fischlosen Tag kulinarisch.

Am Sonntag war wieder herrliches Wetter. Und es sollte auch Fisch kommen. Wieder fischten wir ausdauernd mit zwei Bootsbesatzungen. Und während ein Boot wieder völlig leer ausging und nur einen Zander als einsamen Nachläufer beobachten durfte, ging es bei Roland richtig los: er fischte mit Christian im Flachwasser und konnte von fünf Hechten drei Stück zwischen 50 und 70cm ins Boot bringen. Alle anderen warfen zwar viel, hatten aber keinerlei Kontakte. Roland verließ uns dann Sonntag abend und nun blieb noch der Montag für den Rest der Gang. Roland hatte uns immerhin seine Erfolgsstreamer dagelassen, ein eher kleines und unspektakuläres Modell aus lamettaartigem Material in silber/lila mit Kettenaugen.

Die Wetterprognosen ließen böses ahnen und tatsächlich war es dann stark bewölkt. Mit dem Bellyboot sollte es nun rausgehen, das hatten wir noch nie probiert. Leider stellte sich heraus, dass nur ein Belly gebrauchsfertig war, das andere aber Luft verlor. Starker Wind kam über den Tag auf und am frühen Nachmittag gaben wir auf, nachdem nun auch stärkerer Regen einsetzte. Wieder fischten wir ausdauernd und probierten ganze Streamersortimente, auch mal Barschstreamer, aber die Barsche waren in diesen Tagen wohl wetterbedingt fast gar nicht zu sehen. Gefrustet und ermüdet suchten wir die Unterkunft auf.

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So hätte auch alles  enden können, hätten sich nicht Christian und Stefan abends noch mal aufgerafft, dem Wetter zu trotzen. Christian nahm sich den Eder-Einlauf vor während Stefan doch noch mal zu den Booten fuhr. Und dann kam es doch noch mal dicke! Stefan wechselte aufgrund irgendeiner Eingebung noch mal das Vorfach, nahm den Erfolgsstreamer vom Roland und saß kaum im Boot, als sich das Wetter völlig beruhigte, der See wie ein Spiegel da lag und kein Angler weit und breit zu sehen war. Ruhe und Entspannung schienen schon vorprogrammiert, doch gleich beim ersten Wurf und ersten Strip Widerstand direkt unter der Oberfläche. Es folgten aufregende Minuten ehe feststand, dass unser Edersee-Kenner seinen bis dahin größten Hecht und auch größten Fisch auf Fliege gefangen hatte. Genau 120cm … Und wenig später interessierte sich sogar noch ein Zander um 60cm für den Erfolgs-Streamer, er nahm diesen voll direkt an der Wasseroberfläche! Grund genug, die Zander hier mal nach Ende der Schonzeit gezielt zu befischen. Abends kam dann noch mal der Grill zum Einsatz, ehe wir uns Dienstag früh wieder auf den Heimweg machten.

 

Fazit: „Letzte Woche wurde hier super gefangen!“, stundenlanges Strippen ohne Ruck, dann fängt einer alle Fische, obwohl doch alle im Prinzip am selben Ort dasselbe machen, dann der Großfisch auf den ersten Wurf ganz kurz vor Ende: das ist eben Fischen und jeder kennt solche Situationen. Zur rechten Zeit am rechten Ort, das hat sich wieder einmal bewahrheitet und dazu gehört immer auch ein Quentchen Glück. Gerade bei einem so großen Gewässer heißt es ausdauernd suchen und auf die Beißzeiten zu warten. Aber es hat sich herausgestellt, dass der Edersee immer noch ein Top-Hechtgewässer ist und zwar nicht Unmengen kleine und mittlere Hechte beißen, aber die ganz Großen da sind und immer mit ihnen zu rechnen ist – auch auf Fliege. Und durchaus auch auf eine eher kleine Fliege.


… Wir kommen wieder!   

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